Interaktiver Explainer · Datenschutz

Der stille Datenabfluss

Während du dieses Handy nur in der Hand hältst, senden Betriebssystem, Apps und eingebaute Tracker im Hintergrund Daten an Konzerne. Tippe dich durch das Schema und sieh, was wohin fließt – belegt mit Studien und echten Fällen.

01 / DAS SCHEMA

Dein Handy, live beobachtet

Grün: deine Daten. Violett: die unsichtbaren Abgriffskanäle. Orange: wer sie bekommt. Die Punkte sind Datenpakete – so fließen sie wirklich, im Minutentakt.

Tippe auf jedes Element für Details
09:41▲ senden… ●●●
Deine Daten
Abgriffskanäle
Datenflüsse zu den Empfängern Google OS + Apps + Web Meta SDKs + Pixel Apple iOS + eigene Apps Datenhändler Kaufen + verkaufen
Start

Wähle ein Element aus

Tippe oben auf eine Datenquelle im Handy, einen violetten Abgriffskanal oder einen der vier Empfänger. Hier erscheinen dann die Details: was genau passiert, welche Studie es belegt und welcher echte Fall dazu bekannt wurde.

02 / DIE RÜCKKOPPLUNG

Warum das System sich selbst verstärkt

Der Datenabfluss ist kein einmaliger Vorgang, sondern ein Kreislauf: Jede Reaktion auf personalisierte Inhalte erzeugt neue Daten, die das Profil weiter schärfen. Die Schleife läuft gerade durch:

Daten fließen ab

Standort, Klicks, Nutzung – über OS-Telemetrie, SDKs und Werbe-ID, rund um die Uhr.

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Profil wird gebaut

Interessen, Aufenthaltsorte, Kaufkraft, Beziehungen, sogar Stimmungslagen – zusammengesetzt aus tausenden Einzelsignalen.

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Inhalte werden personalisiert

Anzeigen, Feed-Reihenfolge, Empfehlungen und Preise werden auf genau dein Profil zugeschnitten – optimiert darauf, dass du reagierst.

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Du reagierst – und lieferst nach

Jeder Klick auf die maßgeschneiderten Inhalte, jede längere Verweildauer ist ein frisches Datensignal. Das Profil wird noch genauer.

↻ zurück zu Schritt 01 – der Kreislauf verfeinert sich mit jeder Nutzung
03 / DAS FALL-ARCHIV

Wenn der Abfluss sichtbar wurde

Meist bleibt der Datenfluss unsichtbar. Diese dokumentierten Fälle zeigen, was tatsächlich mit den Daten passiert ist. Antippen zum Aufklappen.

04 / DIE BELEGE

Was die Forschung gemessen hat

Die wichtigsten unabhängigen Untersuchungen, auf die sich diese Seite stützt:

2018
Binns et al., Universität Oxford · Analyse von ~960.000 Android-Apps: rund 90 % enthalten mindestens einen Google-Tracker, ~40 % einen Meta-Tracker. Die Mehrzahl der Apps kann Daten an zehn oder mehr Drittfirmen senden.
2021
Douglas Leith, Trinity College Dublin · Android und iOS senden auch im Leerlauf alle ~4,5 Minuten Telemetrie – inklusive IMEI, SIM-Daten, Telefonnummer und umliegender WLAN-Netze. Android übertrug dabei rund 20-mal mehr Daten als iOS. Ein Opt-out war teilweise wirkungslos.
2022
Mysk & Bakry (Sicherheitsforscher) · Apples eigene Apps (App Store, Musik, Aktien) senden detaillierte Nutzungsdaten – auch wenn „iPhone-Analyse teilen“ deaktiviert ist. Führte zu einer Sammelklage in den USA.
2022
Felix Krause (Sicherheitsforscher) · Die In-App-Browser von Instagram, Facebook und TikTok injizieren JavaScript in besuchte Webseiten und können damit theoretisch jede Eingabe und jeden Tap mitlesen.
2025
Localhost-Tracking-Studie (IMDEA/Radboud u. a.) · Meta und Yandex verknüpften Web-Browsing über lokale Ports mit App-Identitäten und umgingen so Android-Schutzmechanismen. Nach Veröffentlichung eingestellt.
05 / DIE WISSENSCHAFT

Drei Modelle zum Anfassen

Die Forschung hat für das, was oben im Schema passiert, präzise Modelle entwickelt. Hier die drei wichtigsten – als Anschauungsmodelle zum Durchklicken.

Der Überwachungskapitalismus

Shoshana Zuboff, Harvard Business School (2019)

Zuboffs Kernbefund: Gesammelt wird weit mehr, als der Dienst zum Funktionieren braucht. Dieser „Verhaltensüberschuss“ wird zu Vorhersagen über dein künftiges Verhalten verarbeitet – und die werden verkauft. Der Erlös erzeugt einen „Extraktionsimperativ“: Der Wettbewerb zwingt zu immer tieferem Datenabgriff.

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↻ Erlöse → Extraktionsimperativ → noch tieferer Datenabgriff

„Anonym“ gibt es nicht: das Re-Identifikations-Experiment

Sweeney (2000) · de Montjoye et al., MIT (2013)

Datenhändler nennen ihre Datensätze „anonymisiert“ – kein Name, keine Nummer. Füge Datenpunkt für Datenpunkt hinzu und sieh selbst, wie schnell aus der ganzen Schweiz genau eine Person übrig bleibt.

8'900'000
mögliche Personen im „anonymen“ Datensatz
Wohnort (PLZ)GeburtsdatumGeschlecht1. Ort-Zeit-Punkt2. Ort-Zeit-Punkt
Startpunkt: ein „anonymer“ Datensatz über die gesamte Schweiz – ohne Namen, ohne Telefonnummer.

Die Einwilligungs-Fiktion

McDonald & Cranor, Carnegie Mellon (2008)

Alle Datenschutzerklärungen, denen man in einem Jahr „zustimmt“, auch nur einmal komplett zu lesen, würde rund 244 Stunden kosten – mehr als der gesamte Jahresurlaub. Damit ist „informierte Einwilligung“ rechnerisch eine Fiktion: Das Zustimmungs-Modell funktioniert nur auf dem Papier.

Datenschutzerklärungen eines Jahres lesen~244 h
Vier Wochen Jahresurlaub~160 h
Was real investiert wirdSekunden: „Alle akzeptieren“
06 / DER ABWEHR-SIMULATOR

Dreh den Hahn zu

Lege die Schalter um und sieh, wie stark sich der Datenabfluss grob reduzieren lässt. Die Prozentwerte sind eine vereinfachte Veranschaulichung – aber die Reihenfolge entspricht der realen Wirksamkeit.

Geschätzter Datenabfluss100 %
Ungeschützt: alle Kanäle senden ungebremst.